Hilft Melatonin bei Schlafstörungen?

Zahlreiche Menschen plagen Nacht für Nacht Schlafstörungen. Sie können nicht einschlafen, wachen immer wieder auf oder fühlen sich aufgrund eines nur sehr leichten Schlafs am nächsten Morgen nicht erholt. Auf der Suche nach einem probaten Schlafmittel stehen viele Optionen offen – von Baldrian über Benzodiazepine und die sogenannten Z-Substanzen bis hin zu Melatonin. Letzteres erlebt in letzter Zeit einen wahren Boom. Doch hilft es beim Ein- und Durchschlafen überhaupt?

Melatonin ist das natürliche Schlafhormon

Melatonin ist ein Hormon, das in der Zirbeldrüse, einer kleinen Drüse, die sich auf der Rückseite des Mittelhirns befindet, gebildet wird, wenn es um uns herum dunkel wird. Daran wirkt auch die Netzhaut, die ebenso wie der Darm auch ein Produktionsort des Hormons ist, mit, die dem Hirn Informationen über einfallendes oder ausbleibendes Sonnenlicht meldet. Gegen Abend wird immer mehr Melatonin ausgeschüttet und im Winter produziert unser Körper, da es früher dunkel wird und später wieder hell wird, mehr Melatonin als in den anderen Jahreszeiten.
Hauptaufgabe des Melatonins ist die Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus. Wird verstärkt Melatonin ausgeschüttet, werden wir müde und unsere Körpertemperatur sinkt. Auch an der Einleitung der Tiefschlafphase ist Melatonin beteiligt. Es kann also mit einigem Recht als natürliches Schlafhormon bezeichnet werden.
Studien haben ergeben, dass der Melatoninspiegel ungefähr um drei in der Nacht sein Maximum erreicht. Schwankungen ergeben sich hier vor allem jahreszeitbedingt – die Länge der Tageshelligkeit kann das Maximum ein wenig nach vorne ziehen oder nach hinten verschieben.

Melatoninproduktion ist altersabhängig

Doch nicht nur Licht steuert die Melatoninproduktion. Sie ist auch entscheidend vom Alter abhängig. Bei jüngeren Menschen wird deutlich mehr Melatonin ausgeschüttet als bei älteren. Hierin kann ein Grund dafür gesehen werden, dass ältere Menschen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit an Schlafstörungen leiden als jüngere. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass der Schlaf mit steigendem Alter immer oberflächlicher wird. Je älter wir werden, desto weniger Tiefschlafphasen erleben wir – und diese Tiefschlafphasen werden wiederum durch das Melatonin eingeleitet.
In Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen ab einem Alter von 55 Jahren deutlich messbar von einer Melatoningabe profitieren. Die Einschlafdauer verkürzte sich, die Schlafqualität nahm zu und auch die Leistungsfähigkeit am Tag stieg an. Diese Effekte konnten zwar auch bei Patient*innen unter 55 Jahren beobachtet werden, hier waren sie jedoch weniger stark ausgeprägt. [1]

Melatonin als Mittel gegen Jetlag

Ebenfalls belegt ist die Wirkung des Hormons bei Jetlag. Wer einmal eine Fernreise, bei der mehrere Zeitzonen überquert wurden, hinter sich gebracht hat, weiß, wie anstrengend die ersten Tage am Zielort sein können: In der Nacht sind wir hellwach, am Tage todmüde und selbst einfachste Aufgaben können wir nur schwer bewältigen. Viele Menschen planen routinemäßig einige zusätzliche Urlaubstage ein, da sie genau wissen, dass sie die ersten Tage am Urlaubsort kaum werden genießen können. Melatonin kann hier Abhilfe verschaffen, da sich der Schlaf-Wach-Rhythmus durch äußerliche Zuführung verschieben und damit der neuen Zeitzone anpassen lässt. Mit einer zeitlich auf die Erfordernisse des Aufenthaltsorts abgestimmten Melatoningabe lässt sich also eine Synchronisierung der inneren Uhr erreichen. Interessant ist, dass die Wirkung bei Reisen in Richtung Osten sowie bei Überquerung mehrerer Zeitzonen besonders stark ausgeprägt ist. Wichtig ist, dass das Mittel vor dem Schlafengehen und keinesfalls morgens oder tagsüber eingenommen wird. Empfohlen ist eine Dosierung zwischen 0,5 und fünf Milligramm. Es bietet sich dabei an, mit einer möglichst niedrigen Dosis zu beginnen – zu hohe Dosen können nämlich das Gegenteil der erwünschten Wirkung hervorrufen und Schlafprobleme eher noch verstärken. [2]

Gibt es Nebenwirkungen?

Melatonin gilt als weitgehend ungiftig. In Studien zeigten sich auch bei Dosierungen von mehr als fünf Milligramm sowie bei längerer Einnahmedauer keine stärkeren Nebenwirkungen. Abhängigkeiten und Rebound-Effekte konnten, anders als bei vielen anderen Schlafmitteln, nicht beobachtet werden.
Dennoch ist es nicht völlig frei von Nebenwirkungen. In einigen Fällen kam es etwa zu Kopfschmerzen, Erkältungssymptomen, Tagesmüdigkeit, Nervosität, Reizbarkeit oder Bluthochdruck. In seltenen Fällen kann es außerdem zu Blutbildveränderungen, Schwindel, Sehstörungen, Angina pectoris oder Depression kommen. [3] Dass ein sehr hoher Melatoninspiegel zu depressiven Symptomen führen kann, ist dabei gut dokumentiert – die sog. Winterdepression etwa wird zum Teil auf diesen Umstand zurückgeführt.
Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind prinzipiell möglich. Wer an einer Niereninsuffizienz, einer Funktionsstörung der Leber oder Autoimmunerkrankungen leidet, sollte Melatonin nicht oder nur nach Absprache mit einem*r Ärzt*in einnehmen. Gleiches gilt für Menschen, die an Parkinson oder Epilepsie leiden, schwanger sind oder stillen.
Insgesamt wird die kurzzeitige Gabe von Melatonin in niedrigen Dosierungen derzeit gemeinhin als sicher eingestuft. [4][5] Vor allem ist es wesentlich verträglicher als die meisten anderen Schlafmittel. Hinsichtlich dauerhafter Gaben und anderer Dosierungen liegen hingegen noch nicht genügend Daten vor, um zu fundierten Einschätzungen gelangen zu können.

Quellen:

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21091391/
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12076414/
[3] https://www.pharmazie.com/graphic/A/51/0-91151.pdf
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21091391/
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12076414/

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