Der Begriff des Traumas hat sich längst in der Alltagssprache festgesetzt. Nicht selten werden banale Alltagserlebnisse – der verpasste Bus, das langweilige Arbeitsmeeting oder der Streit mit dem*der Partner*in – heute als traumatisch bezeichnet. In der alltäglichen Verwendung des Begriffs zeigt sich zwar ein Wissen darum, dass er sich auf negativ besetzte Erlebnisse bezieht; scharfe Konturen kann er jedoch keineswegs gewinnen. So verwundert es kaum, dass der Begriff des Traumas in der psychotherapeutischen Fachsprache anders definiert ist als in der Alltagssprache. Doch was ist ein Trauma? Wann wird in der klinischen Psychologie von einem Ereignis als traumatisch gesprochen? Und was ist eine Traumatisierung? Verschiedene Traumatheorien versuchen, den Begriff zu definieren, und beleuchten dabei vor allem die Folgen von Ereignissen. So ist die Frage danach, was ein Trauma ist, untrennbar verbunden mit der nach der Traumatisierung und den Traumafolgen.
Was ist ein Trauma?
Der Begriff des Traumas stammt aus der Medizin und bezeichnet dort ursprünglich die Schädigung des Organismus durch eine Einwirkung von außen. Die klinische Psychologie hat den Begriff gewissermaßen ausgeweitet: In ihrem Sprachgebrauch bezieht er sich nicht auf körperliche, sondern auf psychische Schädigungen durch Einwirkungen von außen. Zur Differenzierung ist insbesondere in älterer Fachliteratur meist vom „Psychotrauma“ (Battegay: 20) die Rede. Werner Bohleber weist darauf hin, dass die „Einwirkungen der Außenwelt mit ihren spezifischen Folgen für die innere psychische Realität“ (Bohleber: 147) das Psychotrauma ausmachen: Ein Trauma liegt nur dann vor, wenn beides zusammenkommt.
Anna Menyhért hält fest, dass man „das 20. Jahrhundert mitunter das Jahrhundert des Traumas“ (Menyhért: 103) nennt. Das gilt gleich im doppelten Sinne. Nicht nur ist das 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen und dem Holocaust reich an traumatisierenden Ereignissen; es bot damit auch die nötige Reflexionsbasis für eine erste Theoretisierung des Traumas: „Es sind die äußeren Ereignisse, vor allem die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und die durch sie erlebten und erlittenen Extremerfahrungen, die die Entwicklung des Traumabegriffs voranbrachten“ (Bohleber: 147). So entwickelt Sigmund Freud seine einflussreiche Traumatheorie etwa nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust reflektierte u.a. Jean Améry den umfassenden Verlust eines Vertrauens in die Welt und nach dem Vietnamkrieg wurde das Konzept der Posttraumatischen Belastungsstörung in die Diagnosemanuale eingeführt.
Ersichtlich wurde in diesem Jahrhundert des Schreckens auch, dass Menschen sehr unterschiedlich auf vergleichbare äußere Einwirkungen reagieren. Für die Diagnose eines Traumas von zentraler Bedeutung ist folglich nicht nur das äußere Ereignisse, sondern auch seine „spezifischen Folgen für die innere psychische Realität“ (Bohleber: 147): Nur Ereignisse, die negative psychische Folgen zeitigen, kommen als Traumata infrage.
Die Psychoanalyse hält bezogen auf Kindheitstraumata fest, dass es im Erleben eines Kindes keine Rolle spielt, „ob eine Umgebungssituation tatsächlich manifest belastend ist oder aber wegen begünstigender Umstände lediglich so empfunden wird. Entscheidend ist die innere Realität bzw. das Erleben des betreffenden Kindes“ (Battegay: 201). Gottfried Fischer und Peter Riedesser definieren das Trauma in ihrem Lehrbuch der Psychotraumatologie entsprechend als „ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer/Riedesser: 84).
Ob ein Trauma vorliegt, hängt also weniger vom äußeren Ereignis als vielmehr von seinen Folgen für das Selbst- und Welterleben ab, die wiederum mitbestimmt werden durch die Bewältigungskapazitäten der betroffenen Person. Im ICD-10 hingegen ist der Traumabegriff restriktiver definiert. Im Abschnitt zur Posttraumatischen Belastungsstörung heißt es dort, diese sei eine „Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (ICD-10). In der klinischen Praxis ist dieses Diagnosekriterium jedoch schwer einsetzbar, da kaum zu überprüfen ist, welches Ereignis „bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (ICD-10). In der Praxis findet daher eher eine Orientierung an der Definition im Sinne Fischers und Riedessers statt, die stärker das Individuum mit seinem Erleben in den Vordergrund rückt.
Traumatheorien: Trauma und Traumafolgen erklären
Während hinsichtlich der Definition des Traumabegriffs in der klinischen Psychologie wie in der therapeutischen Praxis zumindest in Grundzügen Einigkeit herrscht, gehen die Positionen hinsichtlich der Wirkungen eines solchen Erlebnisses stark auseinander. Unterschiedliche Theorien versuchen zu erklären, wie ein traumatisches Ereignis eine „dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis“ (Fischer/Riedesser: 79) hervorruft, wie und wieso es das Erleben der Betroffenen nachhaltig verändert. Nachfolgend sollen lediglich einige ausgewählte, besonders einflussreiche Traumatheorien in den Blick genommen werden.
Dissoziationstheorie
Pierre Janet entwickelte die Theorie der Dissoziation, die die heutigen Traumagedächtnistheorien stark beeinflusst hat und damit nach wie vor eine gewisse Gültigkeit besitzt. Janet ging davon aus, dass der psychische Apparat sich aus psychischer Energie und psychischer Spannung zusammensetzt. Die psychische Energie beschreibt die vorhandenen mentalen Ressourcen, die psychische Spannung gibt ihre Verteilung an. Janet zufolge führen belastende Ereignisse, sobald sie eine individuelle Schwelle übersteigen, dafür, dass Energie und Spannung abfallen. Das wiederum führt dazu, dass nicht genügend Ressourcen vorhanden sind, um das Erlebte sinnvoll und integriert abzuspeichern. Die traumatischen Erlebnisse werden stattdessen desintegriert und getrennt von den restlichen Erinnerungen abgespeichert. Janet spricht hier von Dissoziation. Er geht weiter davon aus, dass die dissoziierten Erinnerungen eine Art Eigenleben entwickeln. Letztlich führt die Dissoziation damit zu Traumafolgestörungen.
Psychoanalytische Traumatheorie(n)
In der Psychoanalyse werden als Traumata Ereignisse verstanden, „deren Intensität vom psychischen Apparat nicht verarbeitet werden kann“ (Wortmann: 646). Bereits in den frühen Studien zur Hysterie von Freud und Josef Breuer nimmt das Konzept des Traumas eine wichtige Rolle ein. Freud und Breuer postulieren hier noch im Sinne einer Generalthese, dass neurotische Erkrankungen durch verdrängte Erinnerungen an belastende Ereignisse ausgelöst werden: „Der Hysterische leidet größtenteils an Reminiszenzen“ (Freud/Breuer: 86). Demnach wirkt die Erinnerung an das Trauma im psychischen Apparat fort, bis der damit verbundene Affekt zusammen mit dem Trauma erinnert und abreagiert wird. Bereits hier ist eine Art Energielehre zu erkennen: Es geht um psychische Energien, die sich aufstauen können und abreagiert werden müssen.
Später entwickelte Freud seine Traumatheorie deutlich weiter. Entscheidend war hier vor allem die Erfahrung des Ersten Weltkriegs und seiner psychischen Folgen. In Jenseits des Lustprinzips entwickelte Freud vor diesem Hintergrund das Konzept des Reizschutzes: Psychische Erregung kann nur bis zu einem bestimmten Grad verarbeitet werden. Wird diese Reizschutzschwelle überschritten, kommt es zur Überforderung des psychischen Apparates: Freud fasst das Trauma nun „als einen überwältigenden Reizzuwachs, der eine bleibende Störung im seelischen Energiehaushalt zur Folge hat“ (Wortmann: 646).
Diese bleibende Störung zeigt sich vor allem in der Außerkraftsetzung des Lustprinzips. Normalerweise wirkt das Lustprinzip im Menschen und sorgt dafür, dass dieser nach Wohlgefühl strebt und alle unangenehmen Empfindungen zu vermeiden sucht. Wurde der psychische Apparat mit Erregung geflutet, so wird dieses Prinzip (zumindest partiell) ersetzt durch den Wiederholungszwang (Bohleber: 148). Das traumatische Erlebnis wird in Träumen wiedererlebt und in sozialen Beziehungen reinszeniert. Bewusst erinnert wird es hingegen meist nicht, da Abwehrmechanismen es ins Unbewusste abgeschoben haben. Der Wiederholungszwang ist dabei nicht rein destruktiv zu denken, sondern zielt darauf, Kontrolle über das Erlebnis zurückzugewinnen, es aktiv leiten und so in die psychische Struktur integrieren zu können. Darüber hinaus löst die Überschreitung der Reizschwelle eine zweite Folge aus: die automatische Angst. Wenn „äußerer Reizschutz durchbrochen wird und übergroße Erregungsmengen an den seelischen Apparat herantreten“ (Freud: 160), so kommt es zur nicht objektgebundenen Angst: „Ich halte darum an der Vermutung fest, daß die Todesangst als Analogon der Kastrationsangst aufzufassen ist, und daß die Situation, auf welche das Ich reagiert, das Verlassensein vom schützenden Über-Ich – den Schicksalsmächten – ist, womit die Sicherung gegen alle Gefahren ein Ende hat“ (Freud: 160). Wiederholungszwang und ungerichtete Angst folgen nach Freud aus der Überflutung der Psyche mit nicht bewältigbaren Eindrücken – und stellen den Kern der Symptome dar.
Obwohl das hinter diesen Überlegungen stehende Energie- und Erregungsmodell als überholt gilt und in seinem mechanistischen Denken klar dem frühen 20. Jahrhundert verhaftet ist, waren Freuds Ideen zum Trauma einflussreich. So zeigen sich etwa erstaunliche Parallelen seiner Definition zu der von Fischer und Riedesser: In beiden Fällen ist das Überschreiten der Bewältigungsfähigkeiten des Individuums zentral. Darüber hinaus ist Freuds Symptombeschreibung des Wiederholungszwangs und der ungerichteten Angst verwandt mit den heute beschriebenen Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung.
Neurobiologische Traumamodelle
Neurobiologische Traumamodelle unterscheiden sich in ihrer Grundannahme erstaunlich wenig vom psychoanalytischen Modell Freuds. So geht Lawrence Kolb etwa davon aus, dass „die exzessive Stimulierung des Zentralnervensystems während einer Traumatisierung zur Ursache einer darauffolgenden neurobiologischen Veränderung“ (Kleim: 159) wird. Auch neurobiologische Theorien gehen folglich von einer Art Überschreitung einer Reizschwelle aus. Sie sehen die Folgen jedoch nicht in Überforderungen des psychischen Apparates, sondern in Veränderungen der neuronalen Struktur. Diese lässt sich teilweise nachweisen. So können etwa „Defizite der Konzentrations- und Gedächtnisleistung bei PTBS-PatientInnen“ (Brauchle: 5) im EEG gezeigt werden. Neurobiologisch betrachtet handelt es sich bei einer Traumatisierung um extremen akuten Stress, bei einer Traumafolgestörung, also den Folgen des Traumas, zum einen um durch diesen akuten Stress ausgelöste neuronale Veränderungen, zum anderen möglicherweise um eine chronische Stressreaktion.
Lerntheoretische Traumamodelle
Lerntheoretische Modelle, die heute meist Ideen des Behaviorismus und des Kognitivismus verbinden, herrschen heute in der Erklärung von Traumatisierungen sowie in der Behandlung vor. Lerntheoretische Modelle konzentrieren sich dabei auf das Gedächtnis und rücken Besonderheiten der Abspeicherung traumatischer Erlebnisse in den Vordergrund.
Orval Hobart Mowrer hat das grundlegende lerntheoretische Modell der Entstehung von Traumafolgen mit seiner Zwei-Faktoren-Theorie vorgelegt. Er geht davon aus, dass durch das traumatische Erlebnis zunächst ein vorher harmloser Reiz mit Angst verbunden wird (klassische Konditionierung). In der Folge entwickelt die betroffene Person Verhaltensweisen, die den nun angstbesetzten Reiz vermeiden. Hierbei kommt es zur sog. negativen Verstärkung: Ein Vermeidungs- und Fluchtverhalten nimmt den belastenden Reiz weg – und wird daher in der Folge mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut gezeigt (operante Konditionierung). Bei den einschränkenden Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer anderen Anpassungsreaktion handelt es sich der Zwei-Faktoren-Theorie zufolge demnach um erlerntes Vermeidungsverhalten.
Die Zwei-Faktoren-Theorie gilt heute jedoch als zu einfach, um die teilweise sehr komplexen Traumafolgestörungen umfassend erklären zu können. Ihre Grundannahmen des Reiz-Reaktions-Lernens werden jedoch auch von neueren lerntheoretischen Traumamodellen vorausgesetzt. Entwickelt wurden etwa sog. Netzwerkmodelle, die von einem speziellen Traumagedächtnis ausgehen, sowie kognitive Modelle, die ebenfalls von einem Traumagedächtnis ausgehend.
Netzwerkmodelle
Edna Foa und Michael Kozak gehen davon aus, dass sich nach einer Traumatisierung eine ganz bestimmte Gedächtnisstruktur ausbildet, die sie als Furchtstruktur beschreiben. In der Furchtstruktur sind kognitive, physiologische und emotionale Momente gespeichert und eng miteinander verbunden (Kleim: 160). Durch diese enge Verbindung kognitiver, physiologischer und emotionaler Momente des Traumas im Gedächtnis können durch das Antriggern einzelner dieser Momente Erinnerungskaskaden ausgelöst werden und zu starken Reaktionen führen. So genügt etwa das Erleben einer bestimmten Berührung, die in der Furchtstruktur gespeichert ist, um die im Trauma mit dieser verbundenen Kognitionen und Emotionen erneut auszulösen.
Kognitive Modelle
Anke Ehlers und David M. Clark gehen ebenfalls von Besonderheiten bei der Abspeicherung der Erinnerungen an ein Trauma aus. Ihnen zufolge wird das traumatische Erlebnis nicht ausreichend in das autobiographische Gedächtnis übernehmen. Das führt dazu, dass es gewissermaßen als kontextlos und überzeitlich erinnert wird: „Dementsprechend nehmen Menschen mit einer PTBS charakteristischerweise noch nach der Traumatisierung ein Gefühl der aktuellen Bedrohung wahr, obwohl das Trauma oft bereits Jahre vergangen ist“ (Kleim: 160). Ehlers und Clark gehen darüber hinaus davon aus, dass das Traumagedächtnis sich durch eine fragmentierte Abspeicherung von Gedächtnisinhalten auszeichnet. Während Erinnerungen normalerweise geordnet und integriert abgespeichert werden, sind Erinnerungen im Traumagedächtnis aufgrund der starken Überlastung der traumatischen Situation ungeordnet und desintegriert abgespeichert. Das führt dazu, dass die traumatischen Erinnerungen meist nur schwer in geordneter Form wiedergegeben und erinnert werden können. Zugleich sind sie in ihren Teilaspekten jedoch leicht reaktivierbar, was wiederum auf die unzureichende Abspeicherung zurückgeführt wird.
Ehlers und Clark gehen jedoch über diese Gedächtnistheorie hinaus, indem sie auf die Erschütterung von Grundannahmen sowie die Reaktionen auf den als überzeitlich erlebten Charakter des Traumas eingehen. Ein traumatisches Erlebnis, insbesondere wenn es durch Menschen ausgelöst wird, stellt grundlegende Überzeugungen der Betroffenen infrage. Wird diese Infragestellung nun aufgrund der besonderen Struktur des Traumagedächtnisses nicht als punktuell, sondern als permanent wirksam erlebt, so stellt das die Betroffenen vor enorme Herausforderungen: Wie gehen sie mit der dauerhaften Erschütterung ihres Welt- und Menschenbildes und dem damit einhergehenden Bedrohungserleben um? Verhaltenstherapeut*innen machen hier vor allem zwei Umgangsweisen aus: Patient*innen bauen externalisierende („Die Welt ist ein unsicherer und gefährlicher Ort“, „Überall lauert Gefahr“, „Die Menschen sind böse“) oder internalisierende („Ich bin zu schwach“, „Nichts schaffe ich“, „Ich habe alles Schlechte der Welt verdient“) Glaubenssätze auf – die sie enorm belasten.
Die meisten heutigen Traumamodelle aus dem Bereich der kognitiven Lerntheorien beziehen sowohl Netzwerkmodelle als auch kognitive Modelle und Reiz-Reaktions-Lernen in ihre Überlegungen ein. Alle drei spielen in der kognitiven Verhaltenstherapie eine Rolle (Lühr/Zens/Müller-Engelmann: 84-86).
Fazit: Was ist ein Trauma?
Abschließend lässt sich damit festhalten, dass als Trauma ein von außen kommendes Ereignis verstanden wird, das die Bewältigungskapazitäten der Betroffenen übersteigt und zu psychischen Schädigungen führt. Welche Ereignisse als Traumata zu verstehen sind, lässt sich damit nur individuell, keineswegs aber allgemeingültig klären. Die Modelle zur Erklärung der Traumaentstehung sowie der Traumafolgen unterscheiden sich teils erheblich voneinander. Gemein ist ihnen allen jedoch die Annahme, dass eine – wie auch immer geartete – vorausgesetzte Bewältigungskapazität durch das Ereignis überschritten wird und eine – sehr unterschiedlich verstandene – Veränderung des psychischen Apparates nach sich zieht. Hierin sind sich dissoziationstheoretische, psychoanalytische, lerntheoretische und neurobiologische Traumamodelle grundsätzlich einig. Die Annahmen über den psychischen Apparat und seine konkreten Veränderungen unterscheiden sich jedoch stark voneinander. In aktuellen Lerntheorien werden vor allem Besonderheiten der Abspeicherung traumatischer Erlebnisse im Gedächtnis sowie der kognitiven Bewältigungsstrategien ins Blickfeld gerückt. Neurobiologische Modelle konzentrieren sich hingegen auf die messbaren neuronalen Veränderungen, während psychoanalytische Modelle sich in der Praxis auf das Wiederholen und Reinszenieren des Traumas konzentrieren. Psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Ansätze teilen dabei das Ziel der Integration des traumatischen Erlebnisses in das autobiographische Gedächtnis der Betroffenen.
Literatur:
Battegay, Raymond (1994): Psychoanalytische Neurosenlehre. Eine Einführung. Überarbeitete Neuausgabe. Frankfurt am Main: Fischer.
Bohleber, Werner (2019): „Die Traumatheorie in der Psychoanalyse“. In: Seidler, Günter H.; Freyberger, Harald J.; Glaesmer, Heide; Gahleitner, Silke Birgitta (Hrsg.): Handbuch der Psychotraumatologie. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 147-157.
Fischer, Gottfried; Riedesser, Peter (2009): Lehrbuch der Psychotraumatologie. München: Ernst Reinhardt.
Freud, Sigmund (1955): „Hemmung, Symptom und Angst“. In: Ders.: Gesammelte Werke. Band 14. Herausgegeben von Anna Freud. London: Imago. S. 111-205.
ICD-10: https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/block-f40-f48.htm
Kleim, Birgit (2019): „Posttraumatische Belastungsstörung und Verhaltenstherapie“. In: Seidler, Günter H.; Freyberger, Harald J.; Glaesmer, Heide; Gahleitner, Silke Birgitta (Hrsg.): Handbuch der Psychotraumatologie. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 158-165.
Lühr, Kristina; Zens, Christine; Müller-Engelmann, Meike (2024): Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung. Weinheim/Basel: Beltz.
Menyhért, Anna (2018): „Traumatheorie und Interpretation. Die Analyse von Gabriella Nagys Fall“. In: Berliner Beiträge zur Hungarologie. Band 18. S. 96-118.
Wortmann, Thomas (2017): „Trauma“. In: Berndt, Frauke; Goebel, Eckart (Hrsg.): Handbuch Literatur & Psychoanalyse. Berlin/Boston: Walter de Gruyter. S. 646-647.